Votivtafel der Familie Blarer aus dem Hl. Geist Spital zu Konstanz, um 1495Votivtafel der Familie Blarer aus dem Hl. Geist Spital zu Konstanz, um 1495

Gründung der Spitalstiftung Konstanz

"...entflammt vom Feuer der Nächstenliebe"

Als eine der traditionsreichsten Institutionen in Konstanz blickt die Spitalstiftung Konstanz auf eine über 780-jährige Geschichte zurück, die mit der Gründung des historischen Spitals auf der Marktstätte im Jahre 1225 begann.

Im Jahre 1225 beurkundete Bischof Konrad II. allen "gegenwärtigen wie zukünftigen Armen in Christi" die Gründung einer neuen Stiftung: "Da wir es für unsere Pflicht halten, die christlichen Armen mehr und besser zu unterstützen, scheint es uns richtig, der von einigen begonnenen Werken breitere Förderung angedeihen zu lassen, machen also der Allgemeinheit für alle Zeiten bekannt, dass zwei Konstanzer Bürger, Heinrich von Bitzhofen und Ulrich, genannt Blarer, entflammt vom Feuer der Nächstenliebe, zu Ehren des Heiligen Geistes das Spital auf der Marktstätte erbaut haben, um durch ein solches Werk für sich und für alle, die sich noch daran beteiligen, für die Bürgerschaft und auch für alle Einwohner ewige Seligkeit und fruchtbaren himmlischen Segen zu gewinnen, und dass in Zukunft der Herr der an ihn (gerichteten) Gebete geneigter sei und sein Zorn sich in Milde verwandle."

Errichtet wurde das Spital bereits einige Jahre früher als Reaktion darauf, dass das bisher einzige Spital vor den Toren von Konstanz, beim Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen, die sozialen Aufgaben einer wachsenden Stadt nicht mehr alleine bewältigen konnte. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts nahm in Konstanz der Fernhandel mit Textilien seinen Aufschwung, wodurch die Stadt zum Anziehungspunkt für Händler und Kaufleute, Bettler und fahrendes Volk wurde. Gleichzeitig bildete der Fernhandel die Grundlage für ein wirtschaftliches Erstarken des Konstanzer Bürgertums, das in den Jahren 1212 bis 1215 nach einer langen Auseinandersetzung mit den bischöflichen Stadtherren erstmals einen Rat in der Stadt etablieren konnte.

Auf diesen neuen Rat bezieht sich die Stiftungsurkunde von Bischof Konrad mit dem Beschluss, "dass dieses Spital von der Konstanzer Stadtgemeinde und dem Stadtrat beschützt werden soll und sie es nicht versäumen sollen, es in jeder Beziehung zu fördern."


Abb. oben:
Votivtafel der Familie Blarer aus dem Hl. Geist Spital zu Konstanz (Ausschnitt)

Rudolf Stahel, Tod Mariä
Konstanz, um 1495, Rosgartenmuseum

Der Tod der Gottesmutter ist im Kreise der Apostel dargestellt. Jesus trägt die Seele Mariens in Gestalt eines kleinen Mädchens auf dem Arm.

Votivtafel der Familie Blarer aus dem Hl. Geist Spital zu Konstanz, um 1495

Abbildung des Stifters auf der Votivtafel der Familie Blarer

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