Erstarkendes Bürgertum übernimmt Verantwortung

Schon zu frühen Zeiten, gegen Ende des 12. Jahrhunderts, erlebt der Fernhandel mit Textilien einen Aufschwung in Konstanz. Dadurch wird die Stadt zum Anziehungspunkt für Händler und Kaufleute, Bettler und „fahrendes Volk“ und somit zu einem belebten Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz. Ein erstes Spital in Kreuzlingen, auf Schweizer Seite, kann den wachsenden sozialen Aufgaben nicht mehr gerecht werden.
Durch das wirtschaftliche und schließlich politische Erstarken des Konstanzer Bürgertums kann sich in den Jahren 1212 bis 1215 erstmals ein Rat in der Stadt etablieren.
Sogenannte „Pfründner“ legen mit ihrem Vermögen den Grundstein für die Spitalstiftung Konstanz und ihre sozialen Aufgaben. Auch ärmere Bevölkerungsschichten und Waisenkinder können so in Pflege genommen und versorgt werden.

„Entflammt vom Feuer der Nächstenliebe“

Heute ist die Konstanzer Marktstätte lebhafter Mittelpunkt unserer Stadt – und ursprünglicher Standort der Spitalstiftung Konstanz. Die Konstanzer Bürger Heinrich von Bitzenhofen und Ulrich Blarer ergreifen die Initiative für ein Werk aus dem Geist christlicher Nächstenliebe:  „...entflammt vom Feuer der Nächstenliebe“. Sie gründen das Spital um das Jahr 1220. Der Stiftungsbrief von 1225 bestätigt bereits Vorhandenes; er kann aber trotzdem als „Gründungsurkunde“ angesehen werden.
Aus dem Beschluss der Stiftungsurkunde: "dass dieses Spital von der Konstanzer Stadtgemeinde und dem Stadtrat beschützt werden soll und sie es nicht versäumen sollen, es in jeder Beziehung zu fördern"

Gründungsurkunde von 1225. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz
Gründungsurkunde von 1225. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz

Zur Zeit des Konstanzer Konzils (1414-1418)

Jetzt befindet sich die Spitalstiftung inmitten einer 200-jährigen Blütezeit. Der größte Teil des Vermögens besteht aus Schenkungen und Vermächtnissen. Zahlreiche Rebflächen, Güter und Felder gehören zum Besitz der Stiftung. Die Spitalstiftung und ihre Spitalhöfe, zum Beispiel die Haltnau, bieten einigen hundert Menschen Lohn und Brot. Die Spitalstiftung ist bedeutendes Zentrum des öffentlichen Lebens in der Region

Die Reformationszeit

Die von den Österreichern erzwungene Rekatholisierung der Stadt nach 1548 brachte der Spitalstiftung in Form von Vermächtnissen einen Zugewinn. Das Spital war bereits 1538 auf Anordnung des Rates in das von den Mönchen verlassene Dominikanerkloster auf der Insel (heute Steigenberger Hotel) verlegt. Nachdem die Dominikaner aus ihrem Exil in Steißlingen wieder in die Stadt zurückgekehrt waren, zieht das Spital für rund 300 Jahre zurück in ihr urspüngliches Domizil auf der Marktstätte.

Augustinerkloster im 18. Jahrhundert. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz
Augustinerkloster im 18. Jahrhundert. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz

Ein neuer Umzug und neue Verpflichtungen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts steht ein neuer Umzug an. Das Spital wechselt in das Gebäude des ehemaligen Augustinerklosters in der Innenstadt. Mit dem Erlass des Karlsruher Innenministeriums vom 17. Dezember 1810 wird eine Vereinigung sämtlicher in der Stadt bestehender mildtätiger Stiftungen bzw. Anstalten mit der Spitalstiftung verfügt. Dies mehrt zwar das Vermögen der Stiftung, bringt aber auch neue Verpflichtungen mit sich, vor allem im Rahmen der Armenfürsorge.

Spital 1810, Öl auf Holz,  Nikolaus Hug (1771 - 1852). Copyright Rosgartenmuseum Konstanz
Spital 1810, Öl auf Holz, Nikolaus Hug (1771 - 1852). Copyright Rosgartenmuseum Konstanz

Von der Krankenstube zum Dienstleistungszentrum

1872 wurde das Krankenhaus gebaut als Reaktion auf die fortschreitende medizinische Entwicklung und die notwendig gewordene Trennung von medizinischer Versorgung und Altenpflege.

Krankenhaus Konstanz 1872. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz
Krankenhaus Konstanz 1872. Copyright: Archiv der Stadt Konstanz

Heute konzentriert sich die Stiftung auf vier Pflegeheime, eine Tagespflege und einen Ambulanten Pflegedienst. Ergänzt wird dieses Spektrum an Dienstleistungen durch Einrichtungen für Betreutes Wohnen und durch wechselnde soziale Aufgaben im Rahmen des Stiftungszwecks.
Seit der Gründung des „Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz gemeinnützige GmbH“ hält die Spitalstiftung dort einen Anteil von 24 Prozent. Sämtliche Pflegeeinrichtungen sind bei der Spitalstiftung verblieben.

Literaturhinweis:

Zur Geschichte der Spitalstiftung Konstanz.
Jürgen Klöckler: Das Konstanzer Heilig-Geist-Spital. Grundzüge seiner Entwicklung seit Gründung um das Jahr 1220, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 134 (2016) S. 19-37.

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